Licht-Kontrollen an Fahrrädern

Wir haben über die durchaus als seriös zu bezeichnende Quelle Kessel.TV auf twitter mitbekommen, dass die Stadt zusammen mit der Polizei eine Kontroll-Aktion plant. Diesmal sind Fahrradfahrer*innen ohne Licht am kommenden Donnerstag im Visier.

Fahrrad-Licht-Kontrolle
Fahrrad-Licht-Kontrolle

Ein verkehrssicheres Fahrrad ist, gerade bei diesen Lichtverhältnissen, natürlich überhaupt nicht abzustreiten. Uns wundert lediglich, wie diese enorme Prominenz zu diesem Termin zustande kommt. Zwei Bürgermeister und dazu noch der Polizeipräsident haben sich angekündigt, die Presse wurde auch gleich eingeladen.

Wenn man sich jedoch die Unfallstatistik der Stadt Stuttgart anschaut, sieht man, dass lediglich 447 Unfälle mit Radfahrer*innen passierten. Und das sind sogar 1,3% weniger als im Vorjahr gewesen. Insgesamt sind 2017 26824 (+0,4%) Unfälle passiert. D.h. nur 1,6% aller Unfälle in Stuttgart sind mit der Beteiligung von Radfahrer*innen – und dabei ist noch nichts über die Schuldfrage gesagt. Nebenbei: bei der Mehrzahl der Fahrrad-Unfälle sind sie völlig unschuldig.

Erst vor wenigen Tagen hat die Stadt auch mit lediglich einem Bürgermeister und völlig ohne Polizei (aber auch mit Medien) die Kampagne „Stuttgart parkt fair“ vorgestellt. Dabei wird einfach das bereits 2016 erdachte Konzept wieder aufgewärmt, und man betont, dass man jetzt aber wirklich mal etwas gegen die Falschparker*innen unternehmen will. 2016 hat es nicht so richtig funktioniert, wir hoffen und wünschen, dass es diesmal erfolgreicher wird. Wer die Stadt unterstützen möchte, kann gerne unter dem Hashtag #stuttgartparktfair die besten Fairparker zeigen.

Und wer kann sich noch an die Ankündigung der Polizei erinnern, dass sie das Dieselfahrverbot überhaupt nicht kontrollieren will? Wenn zufällig mal ein solches Auto in eine Kontrolle kommt, dann will man den/die Fahrer*in zwar mündlich verwarnen, aber eine Strafe wird es nicht geben.
Auch der Oberbürgermeister nimmt das nicht so ernst, er „appelliert“ lediglich an die Leute, dass sie doch bitte die Gesetze einhalten sollen. Wie diese Appelle funktionieren (nämlich gar nicht), sollte er seit der Einführung der freiwilligen Feinstaub-Alarme doch bereits gelernt haben. Damit sowas aber auch gar nicht erst passiert, werden jetzt fleißig Ausnahmegenehmigungen verteilt.

Dazu gibt es in Stuttgart leider die sehr tragische Wiederholung von Unfällen, bei denen (Klein-)Kinder auf dem Gehweg über- oder gar totgefahren werden. Erst vor Kurzem wieder im Stuttgarter Osten, als ein zweijähriges Kleinkind von einem Range Rover überfahren wurde. Im Juni wurde bereits ein Artikel veröffentlicht, der darlegt, dass in den zwölf Monaten davor bereits vier Kinder im Straßenverkehr getötet wurden, natürlich von Kraftfahrzeugen. In diesem Artikel wird dann noch ein Fazit gezogen:

Für die Stuttgarter Polizei ist mit 2017 ein eher düsteres Jahr zu Ende gegangen. Die Zahl der Kinderunfälle stieg um 13 Prozent auf 106 Fälle, die Zahl der verletzten Kinder kletterte von 147 auf 161. Für die Polizei ist klar: „Kinder bedürfen ständiger Aufmerksamkeit und eines besonderen Schutzes im Straßenverkehr.“

Und nach all diesen Vorkommnissen ist für den Polizeipräsidenten und zwei Bürgermeister die logische Schlussfolgerung, dass sie Fahrrad-Fahrer*innen auf der einzigen Fahrrad-Straße der Stadt auf korrekte Beleuchtung kontrollieren wollen?
Diese Prioritäten muss uns echt mal jemand erklären!