Im asiatischen Stadtstaat Singapur gibt es etwa 570.000 KFZ bei ca. 5,6Mio Einwohner:innen. Das ist eine Quote von ungefähr 10%. In Deutschland ist diese Quote meist bei 40-50%; Stuttgart hat gut 303.000 Autos (Quelle) bei 614.000 Einwohner:innen (Quelle – also 49%). Und obwohl es dort so relativ wenige Autos gibt, ist es für die Menschen dort zu viel. 2018 wurde eine neue Regelung eingeführt, bei der keine neuen Autos mehr zugelassen werden durften. Ein neues Auto darf man dort nur noch zulassen, wenn ein altes dafür abgemeldet wird.
Sowohl bei der ARD als auch beim ZDF wird darüber berichtet, dass eine solche Registrierung für ein neues Auto 35.000€ oder 80.000$ kostet, während sie lediglich 10 Jahre lang gültig ist und nur per Losverfahren vergeben wird.
Kategorie: Neues ausprobieren
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Singapur: keine neuen KFZ
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Toronto: Umsatzsteigerung nach Streichung von Parkplätzen
In der kanadischen Metropole Toronto wurde jahrelang für den Radweg entlang einer großen Hauptverkehrsstraße gekämpft. Als 2016 dann endlich 136 Parkplätze auf einem 2,4km langen Stück der Bloor Street entfielen, wurde vom Handel und den Restaurants Umsatzeinbußen befürchtet. Allerdings ist das Gegenteil passiert. Es kamen mehr Kunden, die dazu noch mehr Geld ausgaben. Vergleiche mit ähnlichen Straßen zeigten, dass die Umsatzsteigerung dort geringer ausgefallen ist.
Bei der Welt kann man die Nachricht dazu lesen, es gibt auch einen Link zur wissenschaftlichen Studie, die zu dem Schluss kam, dass dieser Radweg einen neutralen bis positiven Effekt auf die lokalen Geschäfte hat.
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Madrid: Umsatzsteigerung nach Sperrung für Autos
Die Stadt Madrid hat im Weihnachtsgeschäft 2018 die Innenstadt für KFZ gesperrt. Dass man dabei selbstverständlich eine Verbesserung der Luftqualität beobachten konnte, sollte eigentlich nicht der Rede Wert sein. Dazu kam jedoch noch eine Umsatzsteigerung der lokalen Geschäfte hinzu.
Nach einer Studie einer Großbank stiegen in den autofreien Gebieten die Verkaufszahlen um 9,5%, während sie in der restliche Stadt lediglich um etwa 3% stiegen, wie in der schweizer Handelszeitung zu lesen ist.
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Utah: Einführung des Idaho-Stop
Im amerikanischen Staat Utah wird darüber gesprochen, den sog. „Idaho Stop“ für Radfahrer*innen einzuführen. Das bedeutet, dass an einer roten Ampel oder einem Stopp-Schild nicht mehr zwingend angehalten werden muss. Wenn alles frei ist, darf der*die Radfahrende wie bei einem „Vorfahrt achten“-Schild fahren. Der Name kommt aus dem benachbarten Staat Idaho, der diese Regelung bereits seit 1982 hat und dort die verunglückten Radfahrer*innen um 14% reduziert wurden.
Die politische Vertreterin dieser Initiative wird damit zitiert, dass man dem Urteilsvermögen der Radfahrenden vertrauen solle, denn sie wissen, dass sie bei Unfällen die Verlierer sind.
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Halle: Verbot von „Elterntaxis“
Die Stadt Halle will im Frühjahr damit beginnen, an drei Grundschulen die sog. „Elterntaxis“ zu verbieten. Dazu werden in 200-300m Entfernung dreier Grundschulen Hol- und Bringzonen eingerichtet. Das soll verhindern, dass die Eltern mit den Autos direkt vor die Schultüre fahren und dabei die anderen Kinder behindern und gefährden.
Im Bericht wird davon gesprochen, dass es eine politische Initiative sei, die den Kindern damit nebenbei auch noch etwas mehr Selbstständigkeit beibringen will.
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Sydney: temporäre Spielstraßen
In der australischen Großstadt Sydney gibt es Pläne, bestimmte Straßen zeitweise für den Autoverkehr zu sperren. Sie sind damit zugänglich für Kinder, die den neu gewonnenen Raum zum Spielen und Toben nutzen können. Im Frühjahr, bzw. deren Winter, soll mit den Tests dieser temporären Spielstraßen begonnen werden.
Im Artikel ist zu lesen, dass es Regelungen für diese Straßen gibt (sie dürfen z.B. nicht an einem Park sein) und dass während der Zeit keine „kommerziellen Aktivitäten“ erlaubt sind.
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München: Gesamtkonzeption zum Fahrradparken
In München hat der Stadtrat fast einstimmig eine Gesamtkonzeption beschlossen, in der 1.000 neue Fahrradstellplätze pro Jahr erschaffen werden sollen. Dabei sollen auch vermehrt Auto-Parkplätze umgewandelt werden. Zum Konzept gehören auch Flex-Parkplätze, d.h. dass es z.B. vor Schulen tagsüber Fahrradparkplätze gibt, nach der Schulzeit dann KFZ-Parkplätze.
Im Artikel der Süddeutschen Zeitung ist auch zu lesen, dass ebenfalls drei Pilotprojekte mit „saisonalen Abstellflächen“ gestartet werden sollen.
Für uns Stuttgarter ist es ein bisschen sonderbar zu lesen, dass sogar die CSU dafür ist, dass der Umstieg vom Auto zum Rad möglichst attraktiv gestaltet werden. Hier wird eher das Gegenteil gefordert und 75 Radbügel in einem Stadtteil werden als großer Erfolg im „Kampf um jeden Zentimeter“ verkauft.
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Leipzig: eigene*r Fußverkehrsverantwortliche*r
Die Stadt Leipzig will den Autoverkehr reduzieren, indem sie einen Großteil der sehr kurzen Autofahrten auf den Fußverkehr verlagern möchte. Man geht davon aus, dass jede fünfte Autofahrt im Innenstadt-Bereich (ca 22%) kürzer als zwei Kilometer ist. Diese Strecke kann jeder gesunde Mensch innerhalb weniger Minuten ohne Probleme zu Fuß laufen. Dass die Infrastruktur auch so angelegt wird, dass sie dabei kein Hindernis ist, ist u.a. eine Aufgabe dieser*s Fußverkehrsverantwortlichen.
In dem Artikel steht, dass der aktuelle Fußverkehrsverantwortliche das Zu-Fuß-Gehen auch zu einem „Coolness-Faktor, wie beim Radfahren“ verhelfen möchte.
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Istanbul: Stadtverwaltung bekommt Dienstfahrräder
Der Bürgermeister des Istanbuler Stadtteils Zeytinburnu hat alle Dienstwagen seiner Mitarbeiter gestrichen und sie vor die Wahl gestellt, zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Das hat anfangs noch für Verwunderung gesorgt, inzwischen sind viele der Mitarbeiter vom „Konzept Fahrrad“ jedoch überzeugt und wollen gar nicht zum Statussymbol „möglichst großes Auto“ zurück. Sie haben eingesehen, dass es in der verstopften Stadt einfach schneller ist und dazu noch gesund und klimaschonend. Der Bürgermeister geht auch mit gutem Beispiel voran und führt jeden Sonntag eine Radtour mit 200-300 Menschen durch den Stadtteil an.
In den Artikeln bei DLF, HR und NDR kann man lesen, dass die Stadt dafür auch 500 Fahrräder angeschafft hat und für den ein oder die andere Mitarbeiter*in erst noch einen Fahrradkurs anbieten musste.
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Darmstadt: Parkhaus für Fahrräder
In Darmstadt wird aktuell ein 11,80m hohes Parkhaus für Fahrräder errichtet, ein weiteres dieser Art ist bereits geplant. Es wird Platz für über 200 Fahrräder geben, insgesamt sind über 300 sichere Stellplätze für hochwertige Fahrräder in der Stadt geplant.
Der Artikel befasst sich auch mit dem Punkt, dass dafür zwar 14 KFZ-Stellplätze wegfallen werden, es für dieses Parkhaus allerdings keinen besseren Alternativ-Ort gibt.