Kategorie: Infrastruktur

  • 3. Juni 2021: Radentscheid Stuttgart macht die Wilhelmsbrücke in Bad Cannstatt frei

    3. Juni 2021: Radentscheid Stuttgart macht die Wilhelmsbrücke in Bad Cannstatt frei

    Am 3. Juni, dem Weltfahrradtag, demonstrieren bundesweit in mehr als 28 Städten und Gemeinden Menschen für eine bessere und sichere Fuß-und Fahrradinfrastruktur. Während Nahmobilität im letzten Jahr immens an Bedeutung gewonnen hat und die Fahrradbranche boomt, ist auf den Stuttgarter Straßen bisher kaum etwas davon angekommen. Der Radentscheid Stuttgart fordert ein zügiges Umdenken. Wir befreien für einen Tag die Wilhelmsbrücke in Bad Cannstatt vom Autoverkehr für zu Fuß Gehende und den Radverkehr. Denn die Rückgabe von Verkehrsflächen an den Fuß-und Radverkehr ist längst demokratischer Wille, aber die Stadtverwaltung möchte lieber wieder und wieder prüfen, statt in die Umsetzung zu gehen.

    Seit über zwei Jahren nun gibt es in Stuttgart eine stabile Mehrheit für die Förderung des Radverkehrs. Die Freigabe der Wilhelmsbrücke für den Fuß-und Radverkehr wurde im Juni 2018 zwar vom Gemeinderat beschlossen, im Anschluss aber von der Stadtverwaltung nicht weiterverfolgt. Erst im April 2021 erinnerte der Bezirksbeirat Bad Cannstatt an die Beschlusslage und dass die Öffnung der Wilhelmsbrücke für den Fuß-und Radverkehr in die Begleitmaßnahmen zum Rosensteintunnel aufzunehmen.

    Über den Neckar existiert oft gar keine Infrastruktur für den Radverkehr. Seit kurzem gibt es eine Fuß-und Fahrradbrücke, doch die endet im B10-Nirvana. Umso besser, dass der Gemeinderat und der Bezirksbeirat Bad Cannstatt auf die Freigabe der Wilhelmsbrücke für den Fuß-und Rad-verkehr drängen. Die Brücke verbindet die Neckarvorstadt mit der Altstadt Bad Cannstatt, wird aber noch zu großen Teilen vom Autoverkehr besetzt. Für alle anderen bleibt nur der konfliktreiche, schmale Seitenraum.

    “Der Rosensteintunnel sollte den Verkehr beruhigen und Flächen vom Autoverkehr befreien. Nun lassen die Planungen nicht nur die Kosten explodieren, sondern auch den Autoverkehr. Das aber führt die Bürgermeister Thürnau, Pätzold und Dr. Maier nicht etwa zu Überlegungen, wie sie den dringend benötigten Platz für den Rad-und Fußverkehr schaffen, sondern sie wollen noch einmal prüfen, ob der Autoverkehr eine Öffnung der Wilhelmsbrücke überhaupt zulasse.” moniert Thijs Lucas, Verkehrsexperte vom Radentscheid Stuttgart. Und weiter: “Es kann nicht sein, dass die Stadtverwaltung immer wieder Beschlüsse des Gemeinderats in Frage stellt. Sie muss endlich so handeln und die Stadt so gestalten, wie es der Gemeinderat fordert. Das ist seit vielen Jahren mehr Platz für den Fuß-und Radverkehr.

    ”Mit der Planung des Rosensteintunnels 2012 wurden 22 Begleitmaßnahmen beschlossen, die den Anwohner*innen sowie dem Fuß-und Radverkehr zu Gute kommen sollten. Die Altstadt von Bad Cannstatt mit ihrem Fachwerk und den kleinen Gassen verdient eine Aufwertung und das geht vor allem über die Anbindung mit attraktiven Fuß-und Radwegen über den Neckar. Nicht zu vergessen die Chancen, die sich für die Bewohnerinnen und Bewohner der Neckarvorstadt ergeben. Die Stadtverwaltung sollte deshalb nicht mit unnötig langen Verkehrszählungen die Begleitmaßnahmen verzögern, sondern möglichst schnell in die Umsetzung gehen. Dazu zählt die schnelle Öffnung der Wilhelmsbrücke für den Fuß-und Radverkehr, sowie eine vom Autoverkehr geschützte Pop Up Bike Lane mit provisorischer Trennung auf der Schönestraße.

    Statt wieder nur Autoverkehr zu zählen, sollte die Stadtverwaltung die Potenziale für den Fuß-und Radverkehr erfassen und umsetzen. Ein paar Meter weiter auf der König-Karls-Brücke zeigen die Verkehrszählungen einen Anstieg des Radverkehrs um 25% allein in 2020. Dort gibt es einen Radweg. Bisher sind in folgenden Städten weitere Aktionen unter #popupweltfahrradtag geplant:

    Bergisch Gladbach, Berlin, Bochum, Esslingen, Flörsheim, Frankfurt a. M., Freiburg, Karlsruhe, Kassel, Koblenz, Köln, Leipzig, Lüneburg, Mannheim, Marl, Mönchengladbach, Nürtingen, Osnabrück, Regensburg, Stuttgart, Wiesbaden, Wuppertal, Weimar. Aufgrund von Terminüberschneidungen finden bzw. fanden in Schwerin, Rostock, Lübeck und Freising Aktionen kurz vor oder kurz nach dem 3. Juni statt.

    Weiterführende Infos zum Aktionstag des BundesRad, dem Bündnis der Radentscheide:

    https://changing-cities.org/der-erste-bundesweite-pop-up-weltfahrradtag

     

    Quelle: Pressemitteilung Radentscheid Stuttgart

     

    Bildergalerie Wilhelmsbrücke Bad Cannstatt, Weltfahrradtag 2021:

    (Quelle Fotos Weltfahrradtag: Christina, Stephan, Thijs)

     

    Video:

     

    (Quelle: Andreas Leitz)

     

    Presseberichte:

    Weltfahrradtag in Stuttgart – Initiative macht Wilhelmsbrücke zur autofreien Zone, Stuttgarter Zeitung, 03.06.2021

    Pop-Up-Radwege und Demos zum Welt-Fahrradtag, SWR, 03.06.2021

  • Stellungnahme zu den Plänen an der Theodor-Heuss-Straße

    Der Radentscheid Stuttgart schließt sich in weiten Teilen der Einschätzung des ADFC Stuttgart zu den Planungen für die Theodor- Heuss-Straße an.

    Wir erkennen zwar an, dass die Stadt Stuttgart mit den Plänen zur Theodor-Heuss-Straße große Fortschritte für die Qualitätssteigerung im Radverkehr schafft. Immer deutlicher wird darin der Wille, den Zielen des Radentscheids gerecht zu werden.

    Wie auch der ADFC und der BUND sind wir jedoch der Ansicht, dass der  vorliegende Entwurf ein Zwischenschritt zum Umbau zu einer gerechteren Straßenraumgestaltung ist. Das langfristige Ziel muss weiterhin sein, den MIV wie im VEK vorgesehen zu reduzieren und damit die Situation der anderen Verkehrsteilnehmer*innen und auch die Aufenthaltsqualität an der hochwertigen Allee zu verbessern. Damit zusammenhängend weisen wir darauf hin, dass das Ziel, den Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2030 auf mindestens 25% der Wege zu steigern, in die Planung einfließen sollte. Die damit einhergehende Reduktion des Autoverkehrs wird nach unserer Einschätzung in der Aufteilung des Verkehrsraums zu wenig beachtet.

    Wie auch der ADFC sehen wir den Rückbau der Pop-up-Bike-Lanes kritisch, da bei der Entscheidung wesentliche Fragen der Verkehrssicherheit unberücksichtigt blieben. Mit den damit verbundenen Problemen werden nun Radfahrende und zu Fuß Gehende alleingelassen.
    Der ADFC Stuttgart hat in seiner Stellungnahme eine Vielzahl wichtiger Maßnahmen aufgezählt, die auch wir unterstützen. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass der Radentscheid eine bauliche Trennung vom Kfz-Verkehr fordert. Diese bauliche Trennung muss Radfahrende vor einem Missbrauch der Radwege durch Kfz und Schwerlastverkehr schützen. Ein nur 3 cm hoher Bordstein kann das nicht. Wir fordern daher im Sinne der Qualitätsstandards des Radentscheids eine durchgängige Radweghöhe von mindestens 8 cm. Der KFZ-Verkehr kann dann an Kreuzungen mittels Rampen über den Radweg geführt werden. Auf diese Weise wird der KFZ-Verkehr beruhigt und die Gefahr von Abbiegeunfällen reduziert.
    Zum Umgang mit Abstellflächen für den MIV entlang der Radwege möchten wir darauf hinweisen, dass ein Überfahren der Radwege zu vermeiden ist. Linksseitige Parkplätze mit angemessenem Sicherheitsabstand zum Radweg halten wir daher für die sicherere Lösung.

    Abschließend bitten wir darum, dass die Stadtverwaltung bei so grundlegenden Pilotprojekten wie den Planungen an der Theodor-Heuss-Straße frühzeitig die Abstimmung mit den Sachkundigen Einwohner*innen des Unterausschusses Mobilität sucht. Wir sind überzeugt, dass ein abgestimmtes Vorgehen den Arbeitsaufwand für alle Beteiligten reduzieren würde. Wir hoffen, dass dies zumindest für die Gestaltung der Kreuzung am Rotebühlplatz vorgesehen ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Meike Reisle und Thijs Lucas

  • Pop-up-Bike-Lane Mercedesstraße

     

    Da die Stadt nichts tut, werden wir aktiv: wir bauen euch eine temporäre Pop-up-Bike-Lane in der Mercedesstraße! Am Sonntag den 26.04.2020 von 12:30 bis 15:30 Uhr. Kommt zahlreich und testet wie es wäre, wenn es in Stuttgart echte Infrastruktur für Radfahrende gäbe!

    Hier gibt es die zugehörige Pressemitteilung.

    Nachtrag:
    Der SWR hat in der 18:00 Landesschau darüber berichtet, ab 01:20 geht der Bericht (Mediathek) über uns los. Und es gibt auch noch ein Video von uns dazu und auch der ADFC hat eines veröffentlicht; dieses haben wir auch noch auf twitter gefunden.

  • Offener Brief an BW-Verkehrsminister Winfried Hermann

    Offener Brief: Radentscheide, Verbände und Initiativen fordern landesweite Vorgaben zur schnellen, rechtssicheren Einrichtung coronasicherer Rad- und Gehwege

    Sehr geehrter Herr Minister Winfried Hermann,

    die Coronakrise und die Kontaktbeschränkungen verändern die persönliche Mobilität aller Menschen in Deutschland deutlich. Während der private Autoverkehr stark zurückgegangen ist, sind – auch der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers folgend – immer mehr Menschen auf dem Rad und zu Fuß unterwegs. Für diese spürbaren Veränderungen der Verkehrsmittelwahl ist die Raumaufteilung auf der Straße jedoch nicht ausgelegt. Damit der empfohlene Sicherheitsabstand auf der Straße eingehalten werden kann, braucht es daher dringend eine schnelle Veränderung der Aufteilung des Straßenraums.

    Bürgerinnen und Bürger, die jetzt aufs Rad umsteigen, brauchen leicht zu findende und sichere Wege. Auch zu Fuß gehende Menschen brauchen dringend mehr Platz auf den Gehwegen, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können. Nur so können notwendige Wege sicher zurückgelegt werden. Auch wenn die Verantwortung für die Umsetzung auf kommunaler Ebene liegt, geht es nicht ohne die Landespolitik – es geht nicht ohne Sie und Ihren Beitrag! Sie als Minister für Verkehr können den Kommunen mit entsprechenden Leitfäden, gesetzlichen Rahmenbedingungen und finanzieller Beschleunigung helfen.

    Dem Brief der Radentscheide und Initiativen aus ganz Deutschland an Bundesminister Andreas Scheuer folgend bitten wir Sie daher: Setzen Sie sich dafür ein, dass Kommunalverwaltungen schnell und einfach ein rad- und fußverkehrsfreundliches Wegenetz innerhalb und zwischen den Kommunen einrichten können. Schaffen Sie die regulatorischen Rahmenbedingungen, damit Straßen schnell und unproblematisch umgestaltet werden können. Geben Sie aus Baden-Württemberg das Signal, dass Verkehrspolitik ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit der Menschen ist!

    Die Kommunen kennen geeignete Straßen und Wege, um ein Netz pandemiegerechter Straßen einzurichten, aber es fehlt ihnen die rechtliche Sicherheit und der Auftrag der Landesregierung zu handeln. Mit der Unterstützung der Landesregierung können diese trotz geringer personeller Kapazitäten überall schnell und einfach Realität werden. Dafür braucht es Rechtssicherheit für die zu ergreifenden Maßnahmen. Nur so kann schnell agiert werden.

    Wir bitten Sie daher, die Kommunalverwaltungen durch die zügige Bereitstellung von Leitfäden bei der provisorischen Umgestaltung von Straßen zu unterstützen, um sicheren und Fuß- und Radverkehr durch eine qualitativ hochwertige Infrastruktur zu ermöglichen. Wo die rechtlichen Rahmenbedingungen dies noch behindern, bitten wir Sie, entsprechende Verordnungen zu erlassen oder pragmatische Lösungen, auch mit Ihren Kolleginnen und Kollegen auf Bundes- und kommunaler Ebene, zu finden.

    Die wichtigsten Maßnahmen, die Kommunen schnell ermöglicht werden sollten, sind:

    • Gehwege temporär verbreitern: Wo Fußwege zu schmal sind, sollten sie durch Markierungen auf den Fahrbahnen erweitert werden. Auch das Verlegen von Hochbordradwegen und Parkplätzen von den Fußwegen auf die Fahrbahnen hilft schnell und einfach, um Fußwege zu verbreitern.
    • Verlegung von Radverkehr auf die Fahrbahn: Wo Radverkehr derzeit über Gehwege geführt wird, kann er auf die Fahrbahn verlegt werden, damit Platz auf Fußwegen geschaffen wird. Dazu eignen sich sowohl temporäre Radstreifen als auch die Einrichtung von temporären Fahrradstraßen.
    • Temporäre Radfahrstreifen auf der Fahrbahn: Breite und gut erkennbare temporäre Radstreifen (Pop Up Bike Lanes) helfen auch Neu-Radfahrenden, sichere Wege durch die Stadt zu finden.
    • Straßen für den Rad- und Fußverkehr öffnen: Die Umwandlung ausgewählter Straßen in Zonen ohne Autoverkehr bzw. mit stark reduziertem motorisierten Verkehr schafft zusätzlichen Platz und Verkehrssicherheit.
    • Temporäre verkehrsberuhigte Straßen: Maßnahmen wie der Einsatz modaler Filter oder Verengungen der Fahrbahn können kurzfristig Wirkung zeigen. So können sich Radverkehr und zu Fuß gehende Menschen bestmöglich auf der Straße verteilen und Bewegung vor der Tür in ausreichendem Abstand zu anderen Menschen wird möglich. Provisorische Verkehrsberuhigung hilft auch bei der Entlastung von Parks und zur Ermöglichung von Bewegung ohne Ansteckungsgefahr.
    • „Bettelampeln“ umprogrammieren: Durch eine Vorrangschaltung für Rad- und Fußverkehr wird das Berühren des Anforderungstasters sowie das Bilden von Gruppen, die auf Grün warten, vermieden.
    • Grünphasen für nicht-motorisierten Verkehr verlängern: Da aktuell deutlich mehr Menschen auf Fahrrädern und zu Fuß unterwegs sind, braucht es für sichere Kreuzungssituationen mehr Zeit in den Grünphasen. Kurze Grünphasen sind kontraproduktiv, da viele Menschen sich eng zusammendrängen müssen, um die Straße rechtzeitig überqueren zu können.
    • Temporäre Geschwindigkeitsreduktion: Korridore mit Tempo 30 reduzieren die Unfallgefahr und bewirken dadurch auch Entlastung von Krankenhäusern.
    • Märkten unter freiem Himmel mehr Platz geben: Wochenmärkte sollten auf angrenzende Flächen wie Straßen oder Parkplätze erweitert werden, um genügend Raum für Warteschlangen mit Abstand zu schaffen.

    Mit freundlichen Grüßen

    i.A. Zweirat Stuttgart

    Liste der erstunterzeichnenden Initiativen und Verbände

    Baden-Württemberg

    ADFC Landesverband Baden-Württemberg e.V., Gudrun Zühlke

    Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Baden-Württemberg e.V., Matthias Lieb

    Esslingen

    Esslingen aufs Rad, Joachim Schleicher

    Verkehrsclub Deutschland (VCD), KV Esslingen e.V., Dirk Rupp

    Freiburg und Südbaden

    Fuß- und Radentscheid Freiburg, Ingrid Marienthal, Christoph Löffler

    Verkehrsclub Deutschland (VCD), RV Südbaden e.V., Fabian Kern

    Karlsruhe

    Critical Mass Karlsruhe, Christa Walter

    Kirchheim unter Teck 

    Stadtmobil e.V., Heinrich Brinker

    Konstanz

    Ciclo, Coco Cespedes, Norbert Wannenmacher

    Mannheim 

    PARKing Day Mannheim, Markus Schlegel, Ines Joneleit, Sascha Zimmermann

    Lastenvelo Mannheim e.V., Fabian Hirt, Timo Borsdorf

    Nürtingen

    Critical Mass Nürtingen, Sophie Gasser, Michael Jäger, Rolf Epple

    Pforzheim

    Verkehrsclub Deutschland (VCD), KV Pforzheim/Enz e.V., Matthias Lieb

    Plochingen 

    Fahrradinitiative Plochingen, Ekkehard Morlock

    Rhein-Neckar 

    VCD RV Rhein-Neckar, Manfred Stindl

    Schussental

    Radentscheid Schussental, Markus Klauser, Michael Dörfel

    Stuttgart

    BUND Regionalverband Stuttgart, Gerhard Pfeifer

    FUSS e. V. Stuttgart, Peter Erben

    Kidical Mass Stuttgart, Arne Jungjohan

    Naturfreunde Radgruppe Stuttgart, Peter Pipiorke, Friederike Votteler

    Radentscheid Stuttgart, Christina Müller, Meike Reisle

    Stuttgart laufd nai, Susanne Jallow, Christoph Ozasek

    Verkehrsclub Deutschland (VCD), KV Stuttgart e.V., Christoph Link

    Zweirat Stuttgart, Thijs Lucas, Benjamin Feller

    Tübingen

    Fuss- und Radentscheid Tübingen (in Gründung), Simon Mader

    Weitere unterzeichnenden Initiativen und Verbände

    BI Rückenwind Offenburg, Jeannette Nitsche

    Anhang

    Brief der Radentscheide und Initativen aus ganz Deutschland an Bundesminister Andreas Scheuer

  • Pressemitteilung – Offener Brief an Verkehrsminister Scheuer

    Offener Brief an Bundesminister Scheuer: Zahlreiche Initiativen fordern umgehend Corona-sichere Rad- und Gehwege

    Stuttgart, Berlin, 14. April 2020 – Zahlreiche Radentscheide und Mobilitätsinitiativen aus ganz Deutschland fordern in offenen Briefen an Verkehrsminister Scheuer und die Verkehrsminister der Länder, unverzüglich pandemietaugliche Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr deutschlandweit zu ermöglichen.

    Abstand halten ist das Gebot der Stunde, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Die Menschen kommen dieser Anforderung mit großer Mehrheit und Solidarität nach und steigen aufs Rad um oder gehen zu Fuß. Der empfohlene Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern ist im Alltagsverkehr jedoch kaum einzuhalten, denn die ohnehin schon zu engen Fuß- und Radwege sind dafür nicht ausgelegt. In einem offenen Brief fordern jetzt zahlreiche Mobilitätsinitiativen, darunter die bundesweite Radentscheid-Bewegung, die Bundesregierung zum Handeln auf, um sichere Mobilität in den kommenden Monaten zu gewährleisten.

    Weder Bundes- noch Landesregierungen haben eine einheitliche Vorgehensweise für pandemietaugliche Mobilität empfohlen. Die Notwendigkeit der Umsetzung schneller Krisenmaßnahmen trifft auf unvorbereitete Kommunalverwaltungen, denen rechtssichere Regelungen fehlen, um schnell agieren zu können. Die bundesweite Radentscheid-Bewegung fordert daher die Bundes- und Landesregierungen auf, jetzt mit klaren Vorgaben, wie Leitlinien, aber auch der Beseitigung rechtlicher Unsicherheiten den Kommunen zu helfen, auf die neue Situation reagieren zu können.

    „Wir fordern von den Verkehrsministerien Leitfäden vorzulegen, mit denen Kommunen ihre Straßen schnell und einfach an die neuen Gegebenheiten anpassen und mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr schaffen können. Wir müssen pandemiegerechte Mobilität sicherstellen – in den kommenden Monaten, bis ein Impfstoff vorhanden ist“, so Thijs Lucas, Sprecher des Radentscheids Stuttgart.

    Der Kfz-Verkehr hat in den letzten Wochen massiv abgenommen. Während die Auto-Fahrbahnen leer sind, gefährden sich Menschen gegenseitig auf viel zu engen Geh- und Radwegen. Die bestehenden Richtlinien zur Planung und Regelung von Verkehr setzen den Fokus auf Autoverkehr. Diesen Fokus in der Krise auf Rad- und Fußverkehr umzustellen ist ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Neuinfektionen.

    „Umfassende Gesundheitspolitik bedeutet auch, den Menschen einen sicheren Weg zum Einkaufen oder zur Arbeit zu ermöglichen – selbst bei Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot. Gerade in Zeiten von Homeoffice und eingeschränkter Bewegungsfreiheit ist es zudem notwendig, dass Menschen ihre tägliche Bewegung im Wohnumfeld durchführen können, um ihre Gesundheit zu erhalten. Hierfür die Voraussetzungen zu schaffen ist wichtige Aufgabe der bundesdeutschen Gesundheitspolitik“, so Joachim Bick von von der IG Fahrradstadt Münster.

    Das Auto als individuelle Lösung stellt keine Alternative dar. Würden nach der Lockerung der Kontaktbeschränkungen alle ihre Wege im Pkw erledigen, käme niemand voran. Das Ergebnis wären unendlich lange Staus. Fortbewegung mit dem Rad und zu Fuß ist – wie vom Gesundheitsministerium empfohlen – die einzig wirklich pandemieresiliente Mobilität. Vor allem für Pendler*innen müssen alternative Lösungen zum Pkw zur Verfügung stehen, sonst droht ein Verkehrskollaps in den Städten.

    „Verbreiterte Rad- und Gehwege sind schnell und einfach einzurichten, wenn die Bedingungen einmal geklärt sind“, erklärt Ragnhild Sørensen von Changing Cities aus Berlin. „Mit Maßnahmen wie temporären Radstreifen – auch ‚Pop-Up-Bikelanes‘ genannt – macht Berlin erste wichtige Erfahrungen in Friedrichshain- Kreuzberg, die sich auch in der Petition #FaireStraßen wiederfinden. Die Senatsverwaltung um Regine Günther teilt ihre Erfahrung bereits mit anderen Städten. Insbesondere die juristische Absicherung steht dabei im Vordergrund. Die Schaffung bundeseinheitlicher Leitlinien könnte dabei enorm Entwicklungszeit sparen und so auch zur Eindämmung des Virus beitragen“.

    Die Radentscheid-Initiativen fordern, jetzt einfache und schnell umsetzbare Lösungen zu schaffen. Regelungen, die einem sicheren Rad- und Fußverkehr im Wege stehen, sollten kurzfristig beseitigt werden.

    Die bundesweite Bewegung der Radentscheide aus mehr als 30 Initiativen sowie der Verein Changing Cities und andere zivilgesellschaftliche Initiativen fordern in ihrem offenen Brief Regelungen zur einfachen Umsetzung verschiedener Maßnahmen auf kommunaler Ebene.

     

    Der offene Brief an Bundesminister Scheuer kann hier abgerufen werden.

    Die Pressemitteilung des Radentscheid Stuttgart kann hier abgerufen werden.

     

  • Pressemitteilung – Provisorische Radinfrastruktur für Stuttgart

    STUTTGART Der Radentscheid Stuttgart und der ADFC Stuttgart fordern den Gemeinderat der Stadt Stuttgart auf, an den mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen je einen rechten Fahrstreifen, ab sofort temporär, für die Dauer der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg, in einen Radfahrstreifen umzuwidmen. Andere Städte wie z.B. Berlin tun das bereits, um Menschen eine sichere Fortbewegung zu ermöglichen.

     

    „Gegen die Corona-Pandemie müssen jetzt drei Dinge geschehen. 1. Ausbreitung verlangsamen, 2. Kapazität im Gesundheitssystem steigern, 3. zusätzliche Belastungen der Krankenhäuser reduzieren.” zählt Thijs Lucas vom Radentscheid Stuttgart auf, “Radfahren ist dafür eine einfache und sichere Möglichkeit, wohnortnah mobil zu sein, sich dabei zu bewegen und sportlich zu betätigen.” Der Stuttgart Standard, ein mit den Stuttgarter  Fahrradinitiativen, dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung abgestimmter Mindeststandard für Radverkehrsprojekte, würde den nötigen Abstand zu anderen Menschen durch breite Radfahrstreifen ermöglichen.

    Sind die Menschen auf den für sie weiterhin erforderlichen Wegen mit dem Rad unterwegs, ergibt sich ein geringeres Ansteckungsrisiko als bei einer Fahrt im öffentlichen Nahverkehr oder mit mehreren Personen im Auto. „Wenn so viele Menschen wie möglich Radfahren, schützen sie die Personen, die auf den Nahverkehr besonders angewiesen sind. So müssen sie nicht so dicht gedrängt zusammen sitzen oder gar stehen“, fügt Frank Zühlke vom ADFC Stuttgart hinzu. Wegen der aktuellen Schließung zahlreicher öffentlicher und privater Betriebe für den Publikumsverkehr seien wesentlich weniger Menschen mit dem Auto unterwegs. Im Gegenzug nutzen mehr Menschen das Fahrrad oder gehen zu Fuß. Der ADFC Stuttgart wertet die Daten der Stuttgarter Radverkehrszählstellen regelmäßig aus und zeigt für Mitte März bereits einen Anstieg um 25% im Vergleich zum Vorjahr. “Daher halten wir eine zügige Trennung von Naherholung und Pendlerverkehr besonders im Schlossgarten für dringend geboten” so Zühlke. Dies könne vor allem durch die auf B27 und B14 freigewordenen Verkehrsräume erreicht werden, ergänzt er.

    Dass nun mehr Fahrrad gefahren wird, hat auch Christina Müller beobachtet, die das Rathaus als stellvertretende sachkundige Einwohnerin des Radentscheid Stuttgart berät. “Ich fahre ja nicht erst jetzt mit dem Rad, momentan aber dreimal so weit wie sonst, und habe festgestellt: Man lächelt oder nickt sich von Radfahrer_in zu Radfahrer_in nun öfter mal solidarisch zu” erlebt sie auch positives. Normalerweise fährt sie von Stuttgart-Ost mit dem Rad zum Hauptbahnhof und von dort bis Ditzingen mit der S-Bahn zur Arbeit. Jetzt radelt sie die gesamte Strecke. “Wer durch Feuerbach will, kommt um die B295 praktisch nicht herum – die hat bestenfalls einen stellenweise breiteren, für Räder freigegebenen Gehweg, von echter Radinfrastruktur ganz zu schweigen.” Michael Schenker bemerkt auf Twitter, dass zwar weniger Autos fahren, diese dafür aber schneller und mit weniger Rücksicht beim Überholen unterwegs seien: “Es sind weniger KFZ geworden. Das erhöht die Durchschnittsgeschwindigkeit. Rasen und posen ist wieder salonfähig und Überholabstand scheint komplett vergessen zu sein.”

     

    Breite und sichere Radwege sind wichtig – um das Abstandhalten zu anderen Personen zu ermöglichen, aber auch, um die Unfallzahlen so gering wie möglich zu halten, damit das Gesundheitssystem seine Kapazitäten in die Behandlung von Patienten mit Covid-19 und anderen akuten Erkrankungen investieren kann. Deshalb solle je ein rechter Fahrstreifen aller mehrspurigen Straßen in Radwege nach dem Stuttgart Standard umgewandelt werden. Hier die wichtigsten Straßen:

     

    • B14 zwischen Cannstatter Wilhelmsplatz und Marienplatz
    • Theodor-Heuss-Straße, Rotebühlstraße und Rotenwaldstraße
    • B27 Friedrichstraße, Heilbronner Straße über Pragsattel bis zur Ludwigsburger Straße
    • Arnulf-Klett-Platz, Schillerstraße
    • Kriegsbergstraße, Holzgartenstraße
    • Pragstraße
    • B295 zwischen Pragsattel und Tunneleinfahrt in Feuerbach
    • Mercedesstraße
    • Talstraße
    • Neue / Obere Weinsteige
    • Pischekstraße, Jahnstraße bis Ruhbank

     

    Temporäre Radfahrstreifen können mit herkömmlichem Material zur Verkehrssicherung von Baustellen binnen weniger Stunden eingerichtet werden. Gelbe Fahrbahnmarkierung, Leitbaken und Leitschwellen zum Schutz vor falsch abgestellten Kraftfahrzeugen sind kurzfristig über die städtischen Bauhöfe und Fachfirmen verfügbar. Vorbilder findet der Vorstoß in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, wo kurzfristig 117 km neue Radverkehrsführung im Hauptstraßennetz geschaffen wurden, in Mexico City sowie in Berlin. In der deutschen Hauptstadt wurde im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg der erste temporäre Radfahrstreifen nach kolumbianischem Vorbild dem Verkehr übergeben.

    Da sich in Berlin bereits zeigt, dass selbst Radwege zum Seuchenschutz zum Falschparken missbraucht werden, hält die Initiative Radentscheid Stuttgart eine Überwachung durch die Polizei Stuttgart und die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Stuttgart für notwendig, um möglichen Missverständnissen und Uneinsichtigkeiten von Falschparkern vorzubeugen.

     

    Verweise:

    Pilotprojekt für temporäre Radfahrstreifen während Corona-Krise

    Pressemitteilung vom 25.03.2020, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin

    https://www.berlin.de/sen/uvk/presse/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.911916.php

    Regelplaene_Radverkehrsanlagen aus Berlin

    Fotos der neuen Radverkehrsführung in Berlin auf Twitter

    https://twitter.com/SenUVKBerlin/status/1242859043716202498

    Radeln gegen Corona und für die Gesundheit

    https://www.tagesspiegel.de/sport/liveblog/tagesspiegel-fahrradblog-radeln-gegen-corona-und-fuer-die-gesundheit/19996818.html

    Bogotá verwandelt Straßen in Fahrradwege

    Spiegel Online vom 22.03.2020

    https://www.spiegel.de/auto/corona-fahrraeder-duerfen-in-bogota-pkw-fahrspuren-nutzen-a-b9a4f78e-4a91-450e-a14d-63b37807b19a

    Temporäre Radfahrstreifen in Mexico City

    https://twitter.com/AlcaldiaMHmx/status/1242579727333748737

     

    Download der Pressemitteilung als PDF

  • Radentscheid Stuttgart prangert gefährliche Unfallkreuzung in Stuttgart-Ost an

    Am Montag, dem 20. Januar 2020, um 16:30 Uhr wird der Radentscheid Stuttgart mit einem Fahrrad-Flashmob auf die für Radfahrende gefährliche Verkehrsführung an der Kreuzung Klingenstraße / Talstraße im Stuttgarter Osten aufmerksam machen. Die Bürgerinitiative fordert die Stuttgarter Politik und Verwaltung auf, die Kreuzung (sowie vergleichbare Knotenpunkte) unverzüglich für Rad- und Fußverkehr sicherer zu machen. Am Mittwoch, dem 22.1., wird ein entsprechender Antrag der Fraktion PULS im Bezirksbeirat Ost diskutiert werden.

    Die bisherige Verkehrsführung dort dient primär der Leichtigkeit des Autoverkehrs, Radfahrer_innen werden aber insbesondere durch abbiegende Autos, die ihnen die Vorfahrt nehmen, tagtäglich gefährdet. „Der Gemeinderat hat mit dem Zielbeschluss versprochen, die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern und Unfallursachen in der Infrastruktur so schnell wie möglich zu beseitigen. Die Stadt muss dringend handeln, bevor an dieser Kreuzung der erste Mensch zu Tode kommt“, sagt Christina Müller von der Initiative Radentscheid Stuttgart.

    Hintergrund: zwei verletzte Radfahrer_innen in drei Wochen

    Am 3. Dezember 2019 gegen 23 Uhr wurde eine Stuttgarter Radfahrerin beim Überqueren der fraglichen Kreuzung von einem linksabbiegenden Auto angefahren und schwer verletzt. Die Stuttgarter Medien berichteten (https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110977/4458991). Nur wenige Wochen zuvor war an derselben Stelle ein 65-jähriger Radfahrer bei einer Kollision mit einem rechtsabbiegenden Kfz leicht verletzt worden. (https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110977/4442925) Tagtäglich entstehen an dieser vielbefahrenen Kreuzung untragbare Gefahrensituationen für Radfahrende. Von 2016 bis 2018 hat es laut Unfallatlas dort bereits vier weitere Unfälle mit Fahrradbeteiligung gegeben.

    Der Stuttgarter Gemeinderat hat sich in seinem Zielbeschluss zur Fahrradstadt vom Februar 2019 dazu bekannt, dass die Verwaltung die Infrastruktur an Unfallorten unverzüglich prüfen und verbessern muss, um die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern.

    „Es kann nicht sein, dass wir die Verwaltung erst auf solche Unfallkreuzungen hinweisen müssen und dann lapidar damit abgespeist werden, an der Stelle könne man leider nichts machen. Technisch gibt es viele Möglichkeiten. Aber verwaltungspolitisch hakt es“, betont Thijs Lucas vom Radentscheid Stuttgart. Die Bürgerinitiative fordert die Stadt daher dringend auf, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. „Der Beschluss des Gemeinderats nimmt ganz klar die Verwaltung in Verantwortung und fordert Eigeninitiative bis zur Problemlösung ein. Eigentlich muss das ein Selbstläufer sein“, sagt Lisa Röthinger, die sich ebenfalls beim Radentscheid engagiert.

    Pressevertreter_innen sind sehr herzlich zum Ortstermin am 20.1. um 16:30 Uhr an der Kreuzung Klingenstraße / Talstraße sowie zur Bezirksbeiratssitzung Stuttgart-Ost am 22.1. um 18:30 Uhr eingeladen.

    Rückfragen bitte an

    Christina Müller (Radentscheid Stuttgart) mobil: 0176/84171410

  • Baustelle Birkenwaldstraße

    Baustelle Birkenwaldstraße

    Die Stadt baut mal wieder. Diese Baustelle ganz oben an der Birkenwaldstraße, kurz vor der Kunstakademie hat unsere Aufmerksamkeit angezogen. Prinzipiell ist eine Spur gesperrt, die übrige Spur wird mit einer Ampelschaltung im Wechselverkehr geregelt. Soweit nichts besonderes, das passiert öfters.

    Was hier aber echt sonderbar ist: Das Geh- und Radweg-Schild fast nicht sichtbar hinter der Ampel, mit dem grünen Pfeil markiert. Es gibt eigentlich Regeln dafür, wie man Schilder aufstellt, die in der Verwaltungsvorschrift zur StVO niedergeschrieben sind. Dort kann man buchstäblich lesen: „Verkehrszeichen sind gut sichtbar [….] anzubringen“ (und vermutlich nur für den Fall gedacht, dass man da irgendwie echt nicht selbst drauf kommt).
    Scheinbar kennt niemand der oder die dafür bei der Stadt Stuttgart dafür verantwortlich ist, diese Regeln.

    Und natürlich ist ein Baustellen-Fahrzeug nicht weit und parkt mitten auf diesem Geh- und Radweg. Weiter hinten sieht man noch anderes Zeug auf dem Weg stehen und der Schilder-Fuß des blauen Schildes ist eigentlich auch im Weg. Das kann man doch alles nur so machen, wenn man bestenfalls Radfahrer:innen und Fußgänger:innen vollständig ignoriert oder sie absichtlich schikanieren will.
    Was das Umleitungsschild hier soll ist unklar. Was es auf dem Geh- und temporären Radweg soll, ist erst recht rätselhaft. Man könnte es problemlos auf die gesperrte Spur stellen. Schließlich gilt es auch für den KFZ-Verkehr und nicht für die Fußgänger:innen.

    Nur wenige Meter nach diesem Schild ist wieder einer dieser so typischen Falschparker in Stuttgart. Wie soll man dort noch vernünftig vorbeikommen? Soll hier wieder die alte Regel „Absteigen und schieben“ greifen?

    Egal, wann man dort vorbeikommt, dort parkt eigentlich immer jemand.

    Wenn man dort vorbei ist wartet gleich die nächste Schikane auf die Radfahrer:innen. Hier ist ein Bordstein mitten auf dem Weg. Natürlich passt man als Radfahrer:in auf, weil man solche Problemstellen aus der ganze Stadt kennt und man es leider nirgendwo nur gemütlich rollen lassen kann. Wäre eine solche Stufe auf irgend einer Fahrbahn, wo auch Autos fahren, die Straße wäre sofort gesperrt, man arbeitete „mit Hochdruck daran“ (Quelle) und innerhalb weniger Tage, wenn nicht Stunden, wäre das Problem gelöst. Bei Radverkehr interessiert sich niemand für problematische Stellen, ganz im Gegenteil, sie werden absichtlich und vorsätzlich erschaffen.
    Wenn man hier herumgekurvt ist, hat man nur noch vier Bordsteinkanten im Weg und man freut sich schon, dass es abgesenkte Bordsteine sind. Wir erinnern uns, dass die Stadt das auch ganz anders kann und Radweg über hohe Bordsteine legen kann.

    Überraschung! Unsere Umleitung führt uns jetzt direkt in die Baustelle rein. Hier wurde die oberste Schicht des Asphalts abgefräst. Fräskanten und Haufen voller Asphalt-Reste sind jetzt unsere Hindernisse.

    Und auch hier wieder ein Falschparker von der Baufirma. Man kann jetzt probieren, ob man gerade noch auf dem schmalen Platz vorbei kommt, der dankenswerterweise noch freigelassen wurde. Dabei wird man wohl noch über den recht hohen Schachtdeckel fahren müssen – aber auch das kennt man zu genüge aus der Stadt.

    An einem anderen Tag steht ein Auto vom Tiefbauamt auf diesem Geh- und Radweg. Es ist unerklärlich, wie die Mitarbeiter:innen der Stadt bei mehr als genug freiem Platz dennoch irgendwie auf den Wegen von Fußgänger:innen und Radfahrer:innen parken müssen. Gibt es eine Anweisung bei der Stadt, die so etwas vorschreibt? Eine andere Erklärung ist auch mit Phantasie schwer zu finden.

    Dann haben wir es schon geschafft und könnten ungestört auf dem Gehweg weiterfahren. Aber nebenan sind zwei gut ausgebaute Fahrspuren in unsere Richtung. Wir fahren also den hohen Bordstein runter, lassen den Fußgänger:innen ihren Weg und hoffen, dass uns im Autoverkehr nichts passiert.

    Nach dem ersten Mal auf dieser abenteuerlichen Alternativ-Route beschließen wir, dieses blaue Schild in Zukunft zu ignorieren, auch wenn man dadurch die Ampel sparen könnte. Wir werden weiterhin auf der Straße fahren, wo es keine Falschparker, keinen aufgerissenen Asphalt, keine Haufen, keine Bordsteine oder sonstige Kanten gibt!
    Bei all der Aufregung haben wir gar nicht mehr darauf geachtet, wie es wohl für die andere Richtung gelöst war.

    Stuttgart hat noch einen sehr weiten Weg, um von dem Status Autostadt wegzukommen.

     

  • Zahlen über Kreuzungen und Einmündungen

    Zahlen über Kreuzungen und Einmündungen

    Zu unserem letzten Bericht über den Test des ADAC (hier die Details dazu) bzgl. der „Radfahrsicherheit an Kreuzungen und Einmündungen“ wurde uns vorgeworfen, dass dort viel zu wenige Fakten enthalten seien. Natürlich geht es dabei viel um Meinungen, denn Fakten sind in solchen Lobby-Diskussionen bloß störend. Allerdings wollen wir hier mal darlegen, wie man zu der Meinung kommt, dass gerade der Radweg zum Pragsattel hoch, bzw. runter, definitiv nicht als „tendenziell positiv“ zu bewerten ist.

    Wir sind also nochmal zu diesem Radweg gefahren, der im Ergebnis des ADAC mit zwei von drei Nennungen positiv erwähnt wurde und haben uns das mal genauer angeschaut. Diese Situation wird positiv dargestellt. Dass es ein Zweirichtungsrad-& Gehweg ist, ignoriert der ADAC hier einfach. Die KFZ achten üblicherweise auf den Auto-Verkehr von links und weniger auf Fußgänger:innen und Radfahrer:innen von rechts. Wie auch, durch den Zaun und das Werbeschild ist es ja auch gar nicht möglich, nach rechts zu schauen.

    Wenn man sich überlegt, wie man dort überhaupt hinkommt, ist kurz vorher dieser Überweg. In Stuttgart selbstverständlich mit Bettelampeln ausgestattet, die nicht zusammen geschaltet sind. Hier zu sehen, dass eine Ampel grün, die andere rot ist. Das wäre nicht besonders relevant, denn es ist hier noch kein Radweg. Auf jeden Fall hat die mehrspurige Bundesstraße (hier von rechts kommend) sehr lange Grünphasen, während man dementsprechend lange bei rot auf das Fußgänger-Grün warten muss.

    Und noch etwas davor sieht man, wie man eigentlich zu diesem Radweg kommen soll. Es ist eine zweispurige Straße, der Gehweg wurde ein bisschen mit Asphalt aufgeschüttet. Ob das eine Einladung an die Radfahrer:innen sein soll, ihn doch zu benutzen, weil sie sonst den „guten Auto-Verkehr stören“? Man weiß es nicht genau. Es wäre auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, hier eine vernünftige Radinfrastruktur einzurichten, es gibt mehr als genug Platz und es ist ein wichtiger Knotenpunkt für die nördlichen Stadtteile (wie z.B. Zuffenhausen oder Stammheim) und Städte (wie Kornwestheim oder Ludwigsburg).

    Genug vom Ausflug zum Beginn des Radwegs. Wenn man also an der positiv genannten Stelle (ganz oben) weiter geht, kommt man nach wenigen Meter schon an den nächsten Überweg. Markierungen fehlen hier komplett, sowohl die Einfahrt als auch die Ausfahrt haben keine. Und es gibt wieder eine große Werbetafel, die versucht, die Aufmerksamkeit der Autofahrer:innen vom Straßenverkehr abzulenken.

    Kurz drauf dann wieder eine Ampel-Kreuzung. Man muss hier drei Ampeln überqueren, die alle mit dem gelben Bettelknopf ausgestattet sind. Die parallel fahrenden Autos haben grün, die Fahrräder und Fußgänger:innen müssen dennoch warten.
    Kurz danach dann ein weiterer Übergang. Es ist eigentlich nur die Ausfahrt des Autohauses. Allerdings haben schon viele Autofahrer:innen entdeckt, dass man diesen Parkplatz nutzen kann, um die eben beschreibene Ampel einzusparen. Wer dort öfters auf dem parallel verlaufenden Radweg fährt, kann das sicherlich bestätigen.
    Besonders brisant an dieser Ausfahrt sind die Schilder, die genau im Sichtbereich aufgestellt sind. Wenn ein Auto dort raus fahren will, kann es anrollende Radfahrer:innen überhaupt gar nicht sehen, weil sie hinter den Schildern verborgen bleiben. Wie kann man sowas planen, genehmigen und umsetzen? Und wie kann man einen Radweg mit solch einer Schwäche als „tendenziell positiv“ bewerten?

    An der anderen Seite dieses Autohauses kommt schon der nächste Überweg.
    Und schon wieder eine Kreuzung. Selbstverständlich muss dort auch wieder eine Bettelampel stehen.

    Als nächstes kommt die Waschanlage. Auch hier sind wieder riesige Werbe- und Preisschilder, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nagut, die Einfahrt ist rot angemalt.

    Die Ausfahrt ist ebenfalls rot. Allerdings sieht man hier wieder deutlich, dass Farbe nicht schützt. Selbst dieses sehr kleine Auto blockiert den Geh- und Radweg etwa zur Hälfte, während es darauf wartet, sich in den fließenden Verkehr einzufädeln. Für Radverkehr aus beiden Richtungen wird es nun schon eng, trotz dieser roten Farbe.

    Als nächstes kommt wieder ein Autohaus mit einer Einfahrt.
    Und wenn wir schon beim Autohaus sind: Dort werden die Autos inzwischen täglich im Gras geparkt. Und wenn sie mal auf den Geh- und Radweg überstehen, wird man wohl das Standard-Argument bringen, dass man als Radfahrer:in doch auch mal Rücksicht nehmen könne. Was nichts anderes bedeutet, als dass hier das Recht des Stärkeren durchgesetzt wird.
    Die zweite Einfahrt dieses Autohauses fällt zusammen mit dieser Einfahrt in die Tiefgarage des nächsten Gebäudes. Bei dieser Einmündung sind also drei Fahrspuren, die über den Geh- und Radweg führen.

    Beim nächste Gebäude wird dann noch eine Spur drauf gelegt. Jeweils zwei Spuren für die Ein- und Ausfahrt für ein Parkplatz und eine Tiefgarage.
    Besonders kritisch sind diese drei Extra-Parkplätze. Sie können nur über diesen Geh- und Radwg erreicht werden. Was der Sinn davon ist, wenn man auch den richtigen Parkplatz oder die Tiefgarage nehmen könnte, bleibt offen.

    Dann kommt die Tankstelle. Auch hier hat man eine große Preistafel und eine blaue Werbesäule, die um Aufmerksamkeit buhlen. Und der Brückenpfeiler steht so im Weg, dass man als Radfahrer:in von den ausfahrenden Autofahrer:innen auch nur schlecht gesehen werden kann.

    Aber die Autofahrer:innen haben beim Verlassen der Tankstelle nicht nur Probleme nach links zu schauen. Auch nach rechts, wo potentiell schnellere Radfahrer:innen den Berg herunter fahren, können sie nicht schauen. Dort ist ein Absatz für den Parkplatz des nächsten Autohauses.

    Und selbstverständlich hat dieses Autohaus auch wieder Ein- und Ausfahrten über den Radweg. Hier sind die ersten zwei.

    Und dann noch eine für die Tiefgarage und den Parkplatz. Der eine Satz von Pfeilen ist seit einer Baustelle nicht mehr ganz vorhanden, die Fahrrad-Piktogramme kaum noch sichtbar.

    Jetzt sind wir schon an der letzten Einmündung auf diesem Geh- und Radweg, wo auch wieder eine Werbesäule steht.

    Oben am Pragsattel angekommen, kann man sich nun überlegen, welchen Umweg man nun nimmt. Ob man rechts über vier (teilweise Bettel-) Ampeln an der U-Bahn-Station „Pragsattel“ vorbeiradeln will, wo es recht eng ist, oder ob man über drei Ampeln nach links auf die andere Straßenseite weiterfahren will.

    Wenn man nun die Ein- und Ausfahrten auf dieser 1,5km langen (besser gesagt kurzen) Strecke zählt, kommt man auf ganze sechzehn (16) Stück, dazu noch vier Ampeln. Insgesamt sind es ganze 20 Kreuzungen und Einmündungen auf dieser kurzen Strecke. Man kommt als Radfahrer:in also etwa 75m weit, bis man wieder aufpassen muss, ob man von potentiell querenden Autofahrer:innen gesehen wird.

    Ein solcher Radweg kann doch nicht als „tendenziell positiv“ angesehen und dazu noch als Positivbespiel genannt werden!

     

  • Status: Fahrrad-Garagen

    Vor recht genau einem Jahr haben wir etwas konkreter angefangen, uns um die geplanten Fahrrad-Garagen in der Stadt Stuttgart zu kümmern. Wir sammelten hunderte von Adressen, um die geplanten „Fünfer-Gruppen“ zusammen zu bekommen und kartierten sie; diese Gruppen wurden von der Stadt Stuttgart angepeilt, um solche gemeinsam genutzten Fahrrad-Garagen zu beantragen.
    Alle Details darüber gibt es im Blogbeitrag vom letzten Oktober.

    Seitdem hat OB Kuhn jedoch noch die „echte Fahrradstadt“ ausgerufen und der Gemeinderat hat auch einen Zielbeschluss dazu verfasst. Inzwischen hat die Stadt in einem Radforum mal kurz über diese geplanten Garagen gesprochen. Leider gibt es bis heute keine Details darüber, wie das Konzept konkret umgesetzt werden könnte/soll.
    Mehr Informationen liegen uns aktuell auch nicht vor.

    Genau dieses Konzept wurde bereits anderswo so oder ähnlich umgesetzt, beispielhaft seien mal diese Städte genannt:

    • in Oslo konnte man sich bis zum 28.6. dieses Jahres bewerben und jetzt werden dort verschiedenen Konzepte umgesetzt
    • in Dortmund läuft es auch schon, hier gibt es mehr Infos dazu
    • in Frankfurt ebenfalls, wie hier zu lesen ist
    • in London auch, wie dieser Tweet zeigt
    • auch aus Brüssel sind solche Tweets bekannt, hier werden die Garagen offenbar leider auf den Gehwegen gebaut

    Andere Städte bauen gleich riesige Parkhäuser für Fahrräder, wie z.B. Utrecht oder Karlsruhe.
    Wieder andere schaffen wenigstens durch Poller auf den Parkflächen Platz für Fahrradparkplätze, wie es beispielhaft hier in Lyon zu sehen ist.

    Stuttgart hat bis jetzt lediglich zwei mal zwei Bügel für Lastenräder (hier zwei Bilder) und einen kleinen Fahrrad-Parkplatz vor dem Cafe Babel. Und hier und da mal noch ein paar Radbügel auf Gehwegen und in Fußgängerzonen. Also nichts, was dem Anspruch einer Fahrradstadt gerecht wird.