Kategorie: Allgemein

  • Neckartor-Baustelle

    Neckartor-Baustelle

    die Stadt Stuttgart probiert mal wieder ein neue Maßnahme aus, um den Luftschadstoffen Herr zu werden. Alle bisherigen Maßnahmen haben nicht so richtig funktioniert, die Mooswand vertrocknete, die CityTrees haben nur dem Hersteller genutzt, die Feinstaub-Kehrmaschinen machten hauptsächlich Lärm und auch Feinstaub, die Filtersäulen verbrauchen primär Strom und stehen auf den Gehwegen rum.
    Aber jetzt hat die Stadt den heiligen Gral gefunden: einen Straßenbelag, der den Feinstaub und die NOx-Belastung einfach so verschwinden lässt. Wie jede neue Technologie kommt es dem Laien wie Zauberei vor, aber die Profis der Stadt werden nach all den bisherigen Rückschlägen doch jetzt endlich mal die sprichwörtliche „Nadel im Heuhaufen“ gefunden haben.

    Was bei der ganzen Umbau-Maßnahme wieder komplett vergessen – oder vielleicht sogar absichtlich völlig ignoriert wurde: der Fuß- und Radverkehr. Ups, das kann in der Autostadt *hüstel* Sorry *hüstel* *räusper* Fahrradstadt, natürlich! Wir sind doch seit dem Radentscheid eine FAHRRADSTADT! Wie auch immer, das kann ja mal passieren.
    Wenn man aus dem Park in den Osten will, gibt es dort eigentlich eine Ampel über diese Bundesstraße mit sechs sehr breiten Spuren. Schlecht gemacht und schlecht geschaltet – aber man ist ja schon froh, wenn es in der Fahrradstadt Stuttgart wenigstens mal irgendetwas für den Radverkehr gibt. Jetzt aber nicht mehr, auf dem Radweg steht eine Sperrbake, zum Hohn hat man das Radwegschild natürlich schön sichtbar hängen lassen. Das „Fahrrad frei“ rechts davon hat man sicherheitshalber mal durchgestrichen. Nicht dass irgend so ein*e Radfahrer*in auf die Idee kommt, da lang zu fahren.

    Hier geht es nicht mehr weiter
    hier geht es nicht mehr weiter

    Von einer Umleitung ist weit und breit nichts zu sehen, der*die ortskundige Radler*in weiß, dass bei Ampel-Störungen die Unterführung zu nutzen ist. Zumindest gibt es ein Schild irgendwo hier, das so etwas vorschreibt. Bis vor Kurzem war diese Unterführung noch eine große Baustelle, man kam dort zwar rein, auf der anderen Seite aber nicht mehr raus.
    Inzwischen ist diese Baustelle einen Schritt fertiger und man soll jetzt mit dem Rad auf diesen Gehweg ausweichen. Fahren darf man dort ja offiziell nicht, also müsste man schieben. Wie viele Radfahrer*innen das machen, kann man vermutlich an einer Hand abzählen. Die Stuttgarter Baustellen-Lösung für Radfahrer „Absteigen und Schieben“ ist einfach keine Lösung und zeigt an eigentlich jeder einzelnen Baustelle in der Stadt, wie heillos überfordert die Stadtverwaltung mit den Anforderungen des Radverkehrs ist!

    Die Umleitung: ein Fußweg
    Die Umleitung: ein Fußweg

    Man kann jetzt nur hoffen, dass man in der engen Unterführung (dort unten ist nämlich auch, bzw. weiterhin eine Baustelle), die dazu gleichzeitig auch eine U-Bahn-Station ist, weder Leute umfährt, die unachtsam von einem Gleis zum nächsten hasten oder eine*n Rollifahrer*in, bzw. eine*n Kinderwagen-Schieber*in auf den viel zu schmalen Rampen erwischt. Wer sein Rad schiebt und vielleicht sogar ein Lastenrad mit zwei Kindern drin fährt, kommt bei der langen und steilen Auffahrt gut durchgeschwitzt auf der Seite der Schubartstraße raus. Ein Blick zurück verrät, dass diese Auf-/Abfahrt gar keine Beschilderung hat. Ist es ein Fußweg? Ein Radweg? Beides? Man weiß es nicht.

    Auf jeden Fall kommt man jetzt irgendwie auf diese Straße hier, die Neckarstraße. Man soll hier von einer Legion von temporären Baustellen-Schildern geleitet werden. Wobei das treffendere Wort eher verwirrt ist. Neben den vielen Schildern sind direkt neben einem noch sehr viele, sehr genervte Autofahrer*innen, die mit der Situation auch nicht so recht klar kommen. Vor lauter Obacht-geben übersieht man leicht das kleine Fahrrad-Umweg-Schild; wir haben es auch erst beim dritten Anlauf gesehen, obwohl ich probierte, jedes Detail dieser Baustelle beim ersten Mal zu erfassen – es ist unmöglich.

    viele, viele Verkehrsschilder
    viele, viele Verkehrsschilder

    Was es auch etwas schwierig macht, sind die obligatorischen Falschparker*innen, die in Stuttgart natürlich überall stehen. Man nennt sie verniedlichend Fairparker und hat sogar einen eigenen Hashtag für sie entwickelt: #StuttgartParktFair.
    Die Halteverbotsschilder stellt man in Stuttgart natürlich auch auf den Gehweg und nicht etwa direkt in das Halteverbot auf die Straße. Dann könnte da ja vielleicht wirklich kein Auto stehen und man würde somit auch die Fußgänger*innen nicht behindern. Unmöglich in Stuttgart!

    StuttgartParktFair ist auch dabei
    StuttgartParktFair ist auch dabei

    Also, das Umleitungsschild habe ich übersehen, sogar zweimal. Was mir aber auffällt: dieses Verkehrsführungsschild steht jetzt auf einmal mitten auf dem immer noch irgendwie vorhandenen Radstreifen. Man hätte das ja auch problemlos irgendwo anders hin stellen können. Aber hier in Stuttgart gilt immer die Maxime:

    Handle jederzeit so, dass der Radverkehr maximal behindert wird und versuche das mit der Leichtigkeit des Autoverkehrs zu argumentieren.

    Auch hier wieder dabei, sonst wäre es in Stuttgart ja unglaubwürdig: der*die obligatorische Falschparker*in.

    Schild auf Radweg, mit Falschparker
    Schild auf dem Radstreifen, mit Falschparker

    Nagut, wir fahren mal geradeaus weiter und schauen uns das von der anderen Seite aus an.
    Auf den ersten Blick etwas besser. Die Durchfahrt ist lediglich für die Autos verboten. Fahrräder dürfen laut dieser Beschilderung irgendwie durchfahren. Aber irgendwie auch nicht, zum einen steht die Sperrbake mitten auf dem Radstreifen, zum anderen weist der blau/weiße Pfeil alle Verkehrsteilnehmer an, hier links zu fahren. Wir machen uns noch kurz über dieses selbst ausgedruckte Schild „Zur Schwabengarage frei“ lustig (in Stuttgart kann ja jede*r irgendwas an der Beschilderung ändern, die Stadt kontrolliert es sowieso nicht) und fahren wenige Meter weiter.

    Fahrräder dürfen hier vielleicht fahren
    Fahrräder dürfen hier vielleicht fahren

    Jetzt ist aber Schluss. Zwei Durchfahrt-verboten-Schilder, Rettungsdienst frei. Dazu gehören wir nicht und wir fragen uns: Wie soll man legal an diesen Schildern vorbei kommen, um auf die drei Meter später ausgeschilderte  Fahrrad-Umleitung zu kommen?
    Das kann bei der Stadt vermutlich auch niemand beantworten. Vielleicht haben sie es irgendwann mal in einer Schulung gehört, dass es sowas wie Fahrräder gibt. Wie man damit fährt, scheint in der Stadtverwaltung völlig unbekannt zu sein.

    Fahrrad-Umleitung nach dem Durchfahrtsverbot
    Fahrrad-Umleitung nach dem Durchfahrtsverbot

    Wenn man dieser Umleitung trotzdem folgt, kommt gleich danach das nächste Problem: Diese Umleitung geht über einen hohen Bordstein. Hier denken wir wieder an den*die Lastenrad-Fahrer*in mit den zwei Kindern vorne drin. Tja, Pech gehabt! Wäre ja noch schöner, wenn diese Lastenrad-Familien, die von der Stadt ja schon finanziell gefördert wurden, jetzt mit ihren Rädern auch noch irgendwo ungestört fahren könnten. Nicht in Stuttgart!

    Bordsteine, Bettelampel, Doppelrot
    Bordsteine, Bettelampel, Doppel-Rot

    Natürlich wird in Stuttgart hier auch eine Bettelampel für die Fußgänger installiert, mit Doppel-Rot. Wir erinnern uns an die obige Maxime, es muss nicht nur maximal schlecht für den Radverkehr sein, auch Fußgänger*innen müssen jederzeit maximal behindert werden!
    Noch kurz eine Nahaufnahme von dem Bordstein. Den hätten wir jetzt einmal rauf, einmal runter und nochmal rauf vor uns. Juhu!

    Nur ein paar solcher Bordsteine
    nur noch ein paar solcher Bordsteine

    Auf der anderen Straßenseite hat man die Ampel, inkl. der breiten Betonfüße, selbstverständlich wieder auf den Gehweg gestellt. Es muss ja, wir erinnern uns, maximal behindernd ausgeführt werden. Wie man dieser Rad-Umleitung da im Hintergrund hinter dem Baum vernünftig folgen soll, ist völlig unklar. Aber die Stadt kann wenigstens sagen, dass sie doch ein Schild aufgestellt hat.

    Noch ein letzter Bordstein
    noch ein letzter Bordstein

    Von hier geht es dann irgendwie der Umleitung hinterher und einen kleinen Hügel hoch und wieder runter, bis wir wieder am Neckartor sind. Zurück kommen wir offenbar nicht mehr. Hier greift die andere Stuttgarter Spezialität: Radfahrer*innen müssen sich jetzt in Luft auflösen! Für Fußgänger*innen gibt es die Unterführung, für Radfahrer*innen lediglich das Durchfahrt-verboten-Schild.

    Keine Umleitung für Fahrräder
    Keine Umleitung für Fahrräder

    Das ist nur mal ein kurzer Abriss über diese Baustelle, die wie so viele in Stuttgart völlig ohne die Belange von Rad- und Fußverkehr geplant und umgesetzt werden. Beim Autoverkehr werden jedoch keinerlei Abstriche gemacht, hier wurden sogar die Ampeln extra abgehängt, damit die Autos hier freie Fahrt haben, wie auf diesem kurzen Video vom Radentscheid zu sehen ist.

    Diese ganze Situation ist nicht nur uns aufgefallen, sondern neben einigen Social-Media-Nutzer*innen auch der BI Neckartor und dem Blog Radfahren in Stuttgart. Die Stuttgarter Gruppe des Fuss e.V. findet noch treffendere Worte und beschreibt es als die „Baustelle des Grauens“ und der ADFC Stuttgart hat einen offenen Brief verfasst.

    Zusammenfassen kann man sagen, dass es absolut unverständlich ist, wie der OB Kuhn noch vor wenigen Wochen öffentlich verkündete, dass Stuttgart Fahrradstadt werden solle und er in wenigen Jahren den Radverkehrsanteil auf über 25% erhöhen will. Jede der wenigen und kleinen Maßnahmen, die die Stadt umsetzt, lässt die Radfahrer-Gemeinschaft fragend zurück und solche Aktionen fühlen sich wie ein Schlag ins Gesicht jeder*s Radfahrer*in an. Es gibt 35249 Menschen in Stuttgart, die für die Forderungen des Radentscheids unterschrieben haben, keine einzige Person davon ist mit einer solchen Lösung zufrieden, und wenn sie noch so temporär ist. Es muss aufhören, dass bei jeder Planung immer nur AUTO, AUTO, AUTO gedacht wird, dann nochmal AUTO und dann auf den letzten Zentimetern die Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gemischt werden!

  • „Vollständige Straßen“ in Kanada

    Kanada nimmt es ernst mit der Umsetzung von Vision Zero. Viele kanadische Städte haben sich ein Grundlagen-Dokument gegeben, das regelt, wie die Straßen in ihrer Kommune gebaut werden sollen. Hierbei gilt, dass Menschen jedes Alters sich dort sicher bewegen können, nicht nur die Autofahrenden, wie in so vielen Städten hier in Deutschland. Es gilt vor allem für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen, ebenso für ÖPNV-Nutzer*innen. Solche Straßen werden dann sinnvoll als „complete street“ bezeichnet, eine „vollständige Straße“.

    Dazu gibt es auch eine Webseite mit einer Karte, die alle diese Absichtserklärungen sammelt und für einige Städte auch Beispiele der Umsetzung anzeigt.

  • Habemus Fahrrad-Beauftragte!

    Wir vom Zweirat Stuttgart heißen Frau Éva Ádám herzlich in Stuttgart willkommen und wünschen ihr alles Gute und vor allem sehr viel Erfolg als neue Fahrradbeauftragte! Nach einigen Gerüchten hat die Stadt heute eine offizielle Meldung dazu veröffentlicht. Uns freut es, dass diese wichtige Stelle in der Stadt nach dem internen Wechsel von Herr Claus Köhnlein wieder mit einer starken Persönlichkeit besetzt ist.

    Gerne treten wir mit ihr in einen konstruktiven Dialog für ein fahrradfreundliches Stuttgart und freuen uns auf ein baldiges Kennenlernen.  Natürlich kann sie bei allem, was das Thema „Fahrrad fahren in Stuttgart“ angeht, auf unsere tatkräftige Unterstützung zählen.
    Denn wir denken, dass Stuttgart schon längst keine Auto- sondern vielmehr eine Fahrrad-Stadt ist!

  • Racing-Shirt

    Racing-Shirt

    Unsere Design-Abteilung hat wieder etwas Feines gezaubert: ein Racing-Shirt im Zweirat-Stil. Und weil das so gut ist, wollen wir es Euch allen anbieten!
    Wenn es Euch gefällt, schaut doch schnell auf dieser Seite, welches wohl Eure Größe ist. Und dann meldet Euch bei Lukas (lukas.betzler//ät//gmx.de), der sammelt in den nächsten Wochen alle Bestellungen – auf Weihnachten wird das also leider nichts mehr.
    Zu den Kosten: Wir werden wohl mehr als zehn Bestellungen zusammen kriegen, dann wird das Shirt etwa 59€ kosten. Einen finanziellen Gewinn machen wir damit nicht, aber ästhetisch sind wir damit ganz weit vorne!
    So wird das dann aussehen

    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
    Zweirat Stuttgart Racing Shirt
  • Licht-Kontrollen an Fahrrädern

    Wir haben über die durchaus als seriös zu bezeichnende Quelle Kessel.TV auf twitter mitbekommen, dass die Stadt zusammen mit der Polizei eine Kontroll-Aktion plant. Diesmal sind Fahrradfahrer*innen ohne Licht am kommenden Donnerstag im Visier.

    Fahrrad-Licht-Kontrolle
    Fahrrad-Licht-Kontrolle

    Ein verkehrssicheres Fahrrad ist, gerade bei diesen Lichtverhältnissen, natürlich überhaupt nicht abzustreiten. Uns wundert lediglich, wie diese enorme Prominenz zu diesem Termin zustande kommt. Zwei Bürgermeister und dazu noch der Polizeipräsident haben sich angekündigt, die Presse wurde auch gleich eingeladen.

    Wenn man sich jedoch die Unfallstatistik der Stadt Stuttgart anschaut, sieht man, dass lediglich 447 Unfälle mit Radfahrer*innen passierten. Und das sind sogar 1,3% weniger als im Vorjahr gewesen. Insgesamt sind 2017 26824 (+0,4%) Unfälle passiert. D.h. nur 1,6% aller Unfälle in Stuttgart sind mit der Beteiligung von Radfahrer*innen – und dabei ist noch nichts über die Schuldfrage gesagt. Nebenbei: bei der Mehrzahl der Fahrrad-Unfälle sind sie völlig unschuldig.

    Erst vor wenigen Tagen hat die Stadt auch mit lediglich einem Bürgermeister und völlig ohne Polizei (aber auch mit Medien) die Kampagne „Stuttgart parkt fair“ vorgestellt. Dabei wird einfach das bereits 2016 erdachte Konzept wieder aufgewärmt, und man betont, dass man jetzt aber wirklich mal etwas gegen die Falschparker*innen unternehmen will. 2016 hat es nicht so richtig funktioniert, wir hoffen und wünschen, dass es diesmal erfolgreicher wird. Wer die Stadt unterstützen möchte, kann gerne unter dem Hashtag #stuttgartparktfair die besten Fairparker zeigen.

    Und wer kann sich noch an die Ankündigung der Polizei erinnern, dass sie das Dieselfahrverbot überhaupt nicht kontrollieren will? Wenn zufällig mal ein solches Auto in eine Kontrolle kommt, dann will man den/die Fahrer*in zwar mündlich verwarnen, aber eine Strafe wird es nicht geben.
    Auch der Oberbürgermeister nimmt das nicht so ernst, er „appelliert“ lediglich an die Leute, dass sie doch bitte die Gesetze einhalten sollen. Wie diese Appelle funktionieren (nämlich gar nicht), sollte er seit der Einführung der freiwilligen Feinstaub-Alarme doch bereits gelernt haben. Damit sowas aber auch gar nicht erst passiert, werden jetzt fleißig Ausnahmegenehmigungen verteilt.

    Dazu gibt es in Stuttgart leider die sehr tragische Wiederholung von Unfällen, bei denen (Klein-)Kinder auf dem Gehweg über- oder gar totgefahren werden. Erst vor Kurzem wieder im Stuttgarter Osten, als ein zweijähriges Kleinkind von einem Range Rover überfahren wurde. Im Juni wurde bereits ein Artikel veröffentlicht, der darlegt, dass in den zwölf Monaten davor bereits vier Kinder im Straßenverkehr getötet wurden, natürlich von Kraftfahrzeugen. In diesem Artikel wird dann noch ein Fazit gezogen:

    Für die Stuttgarter Polizei ist mit 2017 ein eher düsteres Jahr zu Ende gegangen. Die Zahl der Kinderunfälle stieg um 13 Prozent auf 106 Fälle, die Zahl der verletzten Kinder kletterte von 147 auf 161. Für die Polizei ist klar: „Kinder bedürfen ständiger Aufmerksamkeit und eines besonderen Schutzes im Straßenverkehr.“

    Und nach all diesen Vorkommnissen ist für den Polizeipräsidenten und zwei Bürgermeister die logische Schlussfolgerung, dass sie Fahrrad-Fahrer*innen auf der einzigen Fahrrad-Straße der Stadt auf korrekte Beleuchtung kontrollieren wollen?
    Diese Prioritäten muss uns echt mal jemand erklären!

  • Adventskalender

    Auf der ganzen Welt gibt es mutige und engagierte Bürgermeister, Politiker, Verwaltungen und Initiativen, die sich für lebenswerte Städte einsetzen. Ein großer Teil davon ist oft die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) durch diverse Maßnahmen. Die allermeisten davon werden anfangs kritisch betrachtet – aber sobald sie eingerichtet sind, werden sie von der Mehrheit gut gefunden und man kann sich nur schwer vorstellen, wie es davor mal war.
    Als informierter Mensch kriegt man ständig von Zeitungsartikeln oder Studien mit, die dieses Engagement beschreiben. Manche Maßnahmen sind dabei sehr ausführlich und breit angelegt, andere sind lediglich kleine punktuelle oder zeitliche Verbesserungen. Kurze Zeit später verblasst diese Info im weltweiten Datenstrom und ist dann oft kaum wieder aufzufinden.
    Wir haben in den letzten Wochen und Monaten mal einige dieser Informationen zusammengesammelt und wollen daraus eine Art Kompendium erstellen. Bis es soweit ist, stellen wir in einem Adventskalender jeden Tag mal eine dieser Informationsperlen vor. Nach Weihnachten lassen wir dann die Bombe platzen, vervollständigen das Projekt und veröffentlichen es dann unter dem Namen 100 Städte.

    Zweirat-Adventskalender
    Zweirat-Adventskalender

    Unser Adventskalender ist zu finden unter: https://adventskalender.zweirat-stuttgart.de

  • Umweg beim Berliner Platz

    Umweg beim Berliner Platz

    seit vielen Monaten wird in der Nähe des Berliner Platzes gebaut. Dort entstehen die Rosenberg-Höfe, neue Wohnungen mitten in der Stadt.
    Die meisten Radfahrer, die an der Baustelle weiterhin vorbei fahren dürfen, werden das vermutlich so gemacht haben, wie bisher: einfach geradeaus über die Kreuzung und die Breitscheidstraße weiter entlang fahren.

    Wenn man sich jedoch die Beschilderung anschaut, die sich die Stadt Stuttgart hierfür ausgedacht hat, wird einem verwundert der Mund offen stehen bleiben.
    Es geht damit los, dass man vom Berliner Platz kommend ein Umleitungsschild (im grünen Kasten) sieht. Man weiß aber nicht so genau, wofür das eigentlich gilt. Der kleine grüne Pfeil zeigt mir das bekannte Fuß- und Radweg-Schild genau dort, wo man eigentlich hin fahren möchte. Erst wenn man erkennt, dass das „Fahrrad frei“-Schild unter dem blauen Doppelpfeil durchgestrichen ist (auch mit grünem Pfeil markiert), kann man sich denken, dass es tatsächlich irgendwie für die Radfahrer*innen gelten sollte.
    Nagut, dann machen wir uns mal auf die Umleitungs-Reise – es wird ja hoffentlich nicht so lange dauern. Gegenüber kann man ja schon die nächsten gelben Schilder (großer grüner Pfeil) sehen…..

    die Umleitung beginnt
    die Umleitung beginnt

    In der Tat ist das nächste gelbe Umleitungsschild (grüner Kasten) wieder für uns Radfahrer*innen. Wir werden jetzt wieder zurück nach rechts geführt, wie das nächste Umleitungsschild (grüner Pfeil) nur wenige Meter weiter zeigt.
    Verwunderlich ist nur der mausgraue Poller (lila Pfeile) mitten im Radweg. Er hat keinerlei Reflektorfolien oder sonstige Objekte angebracht, die ihn in Dämmerung oder nachts sichtbar machen. In anderen Städten (z.B. hier auf twitter genannt) würde so etwas als „gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ gelten und eine Strafverfolgung nach sich ziehen. In Stuttgart gilt offenbar nur wieder die alte Regel: „das sind ja nur Radfahrer*innen, die müssen halt selbst aufpassen“.

    oha, ein völlig ungesicherter Poller
    oha, ein völlig ungesicherter Poller

    Jetzt kommt so langsam Licht ans Ende des Umleitungs-Tunnels. Man kann das Fuß- und Radweg-Schild schon wieder sehen. Und das Umleitungsschild führt uns auch in diese Richtung. Der grüne Pfeil zeigt auf das Umleitung-Ende-Schild. Wie man das erreichen soll, wenn man in Richtung Radweg fahren will, ist zwar sonderbar und rätselhaft. Aber so ist die ganze Umleitung vermutlich auch ganz gut beschrieben.

    nur noch einmal abbiegen
    nur noch einmal abbiegen

    Wenn man jetzt mal ein paar Schritte zurück geht (und somit wieder fast am Anfang der kleinen Odyssee steht), sieht man den Schilderwald etwas genauer. Ja, die Umleitung ist hier vorbei. Anstatt einmal gerade über die Kreuzung zu fahren musste man nun einmal links abbiegen, dann recht, dann einen schlecht sichtbaren grauen Poller umfahren und dann nur noch einmal (irgendwie?) links zurück in den Fuß- und Radweg einbiegen.

    geschafft
    geschafft

    Das war ja mal wieder einfach!

    Der/die gemeine Radfahrer*in wird sich diese Schikane wohl sparen und einfach geradeaus über die Kreuzung fahren. Dadurch werden all diese kriminalisiert. Ob das von der Stadt willentlich mit Absicht oder aus Unwissen und Ignoranz passiert, ist uns natürlich nicht bekannt.
    Andere wundern sich darüber, dass die Stadt Stuttgart auf der einen Seite jammert, dass sie angeblich sooooo viel zu tun hat (hier z.B. hier in der Stuttgarter Zeitung) und andererseits mehrere Leute damit beschäftigt sind, solche Umleitungen zu planen, zu genehmigen und dann auch noch umzusetzen.
    Und wer sich noch ein bisschen wundern will, kann noch ein bisschen die „Radfahrer frei“-Schilder (lila Pfeile) anschauen und sich fragen: darf man jetzt mit dem Rad durchfahren oder nicht?

  • die Stadt will Fahrrad-Garagen bauen

    uns wurde von Thomas diese Info über geförderte Fahrrad-Garagen auf öffentlichen Parkplätzen zugespielt.
    Hier sind die Details dazu, und wer mitmachen will, findet weiter unten eine Kontaktmöglichkeit:

    Liebe Fahrrad-Aktive!

    Wie Ihr sicherlich wisst, sind ein paar von uns sehr umtriebig was das Voranbringen von sinnvoller Verkehrsinfrastruktur für Fahrräder angeht. Leider bislang mit wenig Erfolg bzgl. Umsetzung durch die Stadt.
    Jetzt kommt endlich mal ein bisschen Bewegung in die Sache und es kommt drauf an, dass wir die Gelegenheiten ergreifen und uns beteiligen.

    Darum geht es:
    Die Stadt wird im jedem Stadtteil mit Parkraummanagement Fahrradgaragen auf öffentliche PKW-Stellplätze bauen wenn sich vier nicht zu weit voneinander weg wohnende Anwohner finden, die auf ihre KFZ-Parkberechtigung verzichten. Das bedeutet, das sie keinen Parkausweis beantragen, oder – falls sie einen Parkausweis haben – ihn zurückgeben. Eine KFZ-Parkberechtigung hat jede erwachsene Person automatisch, sofern er/sie in einem Parkraummanagementgebiet wohn und keinen eigenen Parkplatz hat.

    Dafür bekommt man dann zwei Stellplätze in der neu gebauten Fahrrad-Garage oder einen Lastenfahrrad-Stellplatz!

    Im Klartext: Alle, die innerhalb eines Parkraummanagement-Gebietes wohnen, und die keinen eigenen Stellplatz haben, können das gemeinsam mit drei anderen beantragen – sofern sie auf ihre Parkberechtigung verzichten; was für Leute ohne Auto sicherlich kein Problem darstellt. Man muss auch nicht auf ewig verzichten, wenn man sich irgendwann doch ein Auto anschaffen sollte und eine Parkberechtigung braucht, verliert man eben den Anspruch auf den Platz in der Fahrradgarage.

    Die Fahrradgaragen werden auf Kosten der Stadt gebaut und in einer Garage sollen acht Fahrräder oder vier Lastenräder oder eine passende andere Mischung aus beiden stehen können.

    Mir schwebt jetzt vor, das wir durch diesen Aufruf jetzt in jeder Straße in unserer Stadt so eine Garage hinbauen lassen könnten. Ein Traum, oder?
    Leider gibt es vorerst einmal nur es Budget für zehn solcher Garagen pro Innenstadtbezirk und Bad Cannstatt. Bisher ist die Resonanz noch übersichtlich, es gibt also eine sehr große Chance für Euch, dass Ihr eine solche Garage bei Euch in der Straße gebaut kriegt, wenn Ihr es mit drei anderen beantragt (die wir Euch gerne vermitteln).

    Also, wer ist mit von der Partie?

    Ich schlage vor, Ihr meldet Euch so schnell wie möglich bei mir mit Name & Anschrift (vielleicht habt Ihr sogar schon direkt noch ein paar weitere Nachbarn mit dabei?) und wir versuchen dann hier die Leute passend zusammen zu puzzeln, so dass wir möglichst viele Anträge und Fahrradgaragen zusammen bekommen. Schreibt mir bitte an diese Adresse: thomas.becker@west.plattsalat.de

    Für uns sehr schick wäre natürlich, wenn sich auch Leute in unmittelbarer Nähe zum Plattsalat-Laden in der Gutenbergstraße finden könnten, so dass wir auch hier eine oder zwei Garagen herbekommen könnten. Aber grundsätzlich unterstützen wir natürlich auch alle anderen, die etwas weiter weg wohnen.

    Ich bin gespannt was wir hier hinkriegen & ich bin sicher, dass dieser Schritt endlich ein bisschen Dynamik in das Thema bringen wird!

    Let’s go!

    P.S. Es gibt von der Stadt bisher noch keine offizielle Info darüber. Da es aber einige politische Akteure gibt, denen das Thema wichtig ist, gehe ich davon aus, dass es relativ zügig in die Umsetzung kommt, sobald die ersten Anträge auf dem Tisch liegen.

    UPDATE:

    Es gibt die erste Rückmeldung von Thomas:

    Liebe InteressentInnen für Fahrradgaragen,
    insgesamt läuft es super mit den Garagen: es haben sich schon 50 Menschen gemeldet und die ersten zwei 4er-Gruppen habe ich schon an die Stadtverwaltung gemeldet.
    Es gibt ein paar Stellen, wo Leute geschickt beieinander wohnen und wo noch zu klären ist, ob es Euch nah genug ist, bzw. wo nur noch eine Person fehlt. Bei Euch melde ich mich nochmal gesondert.

    Es gibt aber auch Stellen, wo bisher nur vereinsamte Einzelpersonen ohne weitere Interessent*innen sitzen. Ich vermute, bei Euch geht es jetzt nur wirklich weiter, wenn Ihr selber noch nach Mitstreiter*innen sucht. Hier sind zwei Karten mit allen bisherigen Interessent*innen (die aktuelle jedoch leider nicht so richtig funktionieren):
    Stuttgart-West, -Nordwest und Botnang: Karte
    Rest von Stuttgart: Karte
    Hier noch eine Karte mit allen bisher möglichen Vierer-Gruppen.

    Dazu gibt es hier zwei Vorlagen, die Ihr in eurer Nachbarschaft aushängen oder in Briefkästen stecken könnt, gerne könnt Ihr diese natürlich auch noch weiter anpassen.

    Und für die Gruppen, die schon in der Pipeline sind: ich soll Euch sagen, dass Ihr Euch drauf einstellen solltet, dass das jetzt ein bisschen dauern könnte. Es ist jedoch für Mitte November ein Ämtergespräch dazu anberaumt und dass es Hoffnung gibt, dass die ersten Garagen bereits Anfang nächsten Jahres stehen werden. Das halte ich persönlich zwar für etwas utopisch – aber wir lassen uns doch gerne mal positiv überraschen!

    Update 2: es sind nun schon etwa 150 Menschen, die sich bei uns gemeldet haben.

    weiteres Update: es sind inzwischen schon über 250 Personen!

  • Unfälle an der Stresemannstraße

    Ende Juli ist am Radweg an der Stresemannstraße, grob gesprochen von der Kunstakademie zum Pragsattel, ein Unfall an der Tiefgaragen-Einfahrt des Augustinum passiert. Es sieht so aus, als ob dieser schwarze SUV den/die Radfahrer*in auf dem Radweg einfach angefahren hat. Im Polizeisprech wird das dann vermutlich „übersehen“ genannt werden.

    Unfall an der Stresemann-Straße
    Unfall an der Stresemannstraße

    Am nächsten Tag und in den folgenden Wochen konnte man noch gut diese Markierungen (#bikecrashmark) sehen, die von der Polizei nach dem Unfall gemacht wurden. Sie sind direkt über dem Fahrrad-Piktogram angebracht.

    Unfallmarkierung an der Stresemann-Straße, Nr.1
    Unfallmarkierung an der Stresemannstraße, Nr.1

    Anfang Oktober ist nur wenige hundert Meter im weiteren Verlauf eine weitere Markierung zu sehen, die ebenfalls auf einen Unfall deuten lässt. Da auch diese Markierung (#bikecrashmark) mitten auf einem Radweg und wieder direkt über dem Fahrrad-Piktogram ist, liegt die Vermutung nahe, dass auch hier wieder ein Unfall mit einer/m Radfahrer*in passiert ist.

    Unfallmarkierung an der Stresemann-Straße Nr.2
    Unfallmarkierung an der Stresemannstraße Nr.2

    Wenn man sich die von rechts kommende Querstraße (Gunterstraße) anschaut, ist das auch nicht besonders verwunderlich. Man sieht von dort ziemlich wenig, das „Vorfahrt achten“-Schild ist nur vage zu erkennen, und um das kleine Zusatzschild zu erkennen, welches vor querendem Radverkehr warnt, muss man schon sehr genau hinschauen. Sobald das rote Licht der Ampel erlischt gibt es keine weitere Info darüber, dass der/die Autofahrer*in nun einen Radweg überquert und er/sie wird die Konzentration auf den möglichen Verkehr der vierspurigen Straße lenken. Von den Fahrrad-Piktogramen ist aus dieser Perspektive nichts zu sehen.

    (fehlende) Sicht aus der Querstraße
    (fehlende) Sicht aus der Querstraße

    Wir können nur immer wieder fordern, dass wir endlich vernünftige und sichere Radwege bekommen, bei denen das „übersehen werden“ nicht mehr passieren kann!
    In dem Falle gäbe es die Möglichkeit von Rampensteinen/Auframpungen, was eine sinnvolle Lösung für alle Situationen sein könnte, in denen Radwege unbedingt von Querstraßen oder Parkplatz-Zufahrten überfahren werden müssen. Grundsätzlich sind solche Querungen jedoch gänzlich zu vermeiden oder mit größter Sorgfalt zu gestalten, da sie offenbar von Autofahrer*innen nicht gut befahrbar sind – wie an diesen beiden Unfällen in kurzem Zeitabstand gut zu sehen ist.
    Für alle, die sich die Stelle genauer anschauen wollen, hier ist der zugehörige Kartenausschnitt.